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Mein erstes Moorbeet im März 2003
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Ein Moorbeet ist für mich immer etwas besonderes gewesen, weil ich es mag, natürliche Standorte von Pflanzen nachzuahmen. Ein kleines Moor mit einigen vermoosten Baumstämmen
und Pflanzen, die ganz beliebig wachsen können, das habe ich schon immer im Garten haben wollen. Seit ich bei uns im Odenwald auf einem Spaziergang einmal Drosera rotundifolia
an einem Wassergraben habe wachsen sehen, konnte ich mir auch gut vorstellen, wie man so etwas natürlich gestalten kann.
Nachdem ich mich nun erkundigt hatte, wie man so ein Moorbeet anlegt, gings dann an einem sonnigen Samstag im März in den Baumarkt, wo das Zubehör gekauft wurde. Die Einkaufsliste:
- Torf (Fläche x Tiefe als benötigte Menge + etwa 10 % zusätzlich als grobe Richtmenge)
- Teichfolie
- Eimer/Gefäße als Wasserspeicher
Was man sonst noch braucht:
- Spaten/Schaufel/Bohrmaschine/Schere
- Ein sonniges Plätzchen
- Kumpels, die beim Buddeln helfen
Jetzt kanns losgehen. Ich wollte nur ein kleines Beet von etwa 1,5 Quadratmeter anlegen, deswegen brauchte ich letzteres nicht und habe das Loch alleine ausgehoben. Ärgerlicherweise stieß ich in etwa 20 cm Tiefe auf
Bauschutt, den meine Eltern dort irgendwann einmal zwischengelagert hatten. Ab da wurde es mühsam ;)
Aber irgendwann war ich dann doch fertig. Die Tiefe des Loches hing stark von den relativ hohen Eimern ab, die ich gekauft hatte. Ich musste also so tief wie die Eimer hoch waren + 40 cm
Torfschicht graben. Auf dem Bild ist es nicht besonders gut zu erkennen, ich hätte mich hineinstellen sollen, um die Tiefe zu verdeutlichen. Mir kam es jedenfalls schon beim Graben verdammt tief vor,
dafür sollte man auf jeden Fall genug Zeit einplanen, auch wenn man keinen Bauschutt dabei aussortieren muss.
Zu beachten ist auf dem unteren Foto noch die Rinne am Rand oben rechts, welche
ich mal versuchshalber angelegt habe. Da das Beet nach rechts oben etwas abfällt, ist es möglich, dass dort später überschüssiges Wasser herausfließen kann. Ob sich das als richtig erweist, werde ich später sehen.
Nun kam eine Matte zum Schutz der Teichfolie ins Loch. Die Teichfolie habe ich erst lose darübergelegt und sie dann von unten nach oben angedrückt. Leider war es etwas windig, so dass es schier unmöglich
war, die Folie faltenfrei und ordentlich ans Loch anzupassen. Letzten Endes ist dies (mathematisch gesehen) ja auch garnicht möglich, so dass ich dann einige Falten in Kauf nehmen musste, welche
ich dann später irgendwie vertuschen muss ;). Jaja, war mal wieder gepfuscht, gebe ich ja zu...
Nächster Schritt: Die Folie wurde grob zugeschnitten und am Rand so befestigt (z.B. Steine drauflegen), dass sie nicht wegweht oder verrutscht. Ich habe dann zuerst einmal etwa 40 Liter
Regenwasser hineingefüllt, damit der gekaufte (natürlich staubtrockene) Torf später auch von unten schnell durchfeuchten kann.
Jetzt waren die Wasserspeicher dran: Mit der Bohrmaschine wollte ich eigentlich ordentliche Löcher in die Böden der vier 10l-Eimer bohren, leider wollte das Plastik sich aber absolut nicht bohren lassen und
zersplitterte mir bei zweien der vier Eimer. Aber auch so entstanden Löcher, und das wollte ich ja. Also, alle vier Eimer verkehrtherum hinein. Ich habe sie jeweils mit Steinen beschwert, damit sie
später nicht irgendwie vom Boden abheben oder beim Einfüllen des Torfes umkippen. Was auf dem Foto nicht so gut zu erkennen ist, ist der Höhenunterschied zwischen Eimerböden und der späteren Moorbeetoberfläche.
Dieser Unterschied beträgt etwa 35 cm, ich bin also nur 5 cm von meinem urspünglichen Plan abgekommen.
20 Minuten und 400 Liter Torf später hatte ich dann das Ganze aufgefüllt, in freudiger Erwartung des nächsten Arztbesuches und der bevorstehenden Krankengymnastik für meinen Rücken ;).
Das Ganze habe ich dann noch von oben kräftig gewässert (etwa 50 Liter), wobei alles noch einmal um etwa 5 cm abgesackt ist. Am nächsten Tag habe ich dann wieder mit Torf aufgefüllt und ein bisschen
mit dem Spaten herumgestochert, um eventuelle Luftkammern zu erwischen. Man sollte auf keinen Fall unterschätzen, wie stark der Torf noch absackt. Wenn man das Beet das erste Mal vollgefüllt
hat und die Torfmenge genau gereicht hat, dann kann man gleich wieder neuen Torf kaufen gehen.
Die Randbefestigung der Folie gleich am nächsten Tag zu machen, ist, wie ich erst später gelesen habe, nicht besonders ratsam. Innerhalb der nächsten Tage/Wochen sackt alles noch ein wenig nach
unten ab, so dass der Druch auf den befestigten Rand ansteigt und die Befestigung eventuell zerstört. Da ich aber ja nur ein sehr kleines Beet gebaut habe, ist das hoffentlich nicht so schlimm und die
Absackung wird sich in Grenzen halten.
Nun also die Randbefestigung: Unter die Folie habe ich zuerst Erde bzw. runde Kieselsteine geschoben, damit der Rand eine Wölbung erhält. Hinter dieser Wölbung habe ich die Folie dann entweder vergraben
oder mit Kieselsteinen beschwert. Auf einer Seite habe ich einfach einen (sehr schweren) alten Baumstamm über die Folienränder gelegt, der später mit Moos bewachsen soll und sich so dem Ganzen anpasst.
Dann erfolgte Ende April/Anfang Mai die Bepflanzung. Gepflanzt wurden:
Winterharte/Ganzjährig stehende Pflanzen:
- Drosera binata
- Drosera rotundifolia
- Sarracenia venosa
- Sarracenia purpurea
Sommerpflanzen, die zum Winter ausgegraben werden:
- Drosera capensis
- Drosera filiformis x intermedia
- Dionaea muscipula
- Darlingtonia californica
- Sarracenia oreophila 'red'
Samen:
- Drosera rotundifolia (als 'Bodendecker')
- Dionaea muscipula
Die ursprünglich von mir eingeplanten nicht carnivoren Moorpflanzen wie beispielsweise eine Mooraster konnte ich wegen Platzmangel nicht mehr einsetzen....Naja, nächstes Jahr gibts ein größeres Beet ;)
Sommer 2003 (2 Monate später):
Nun sind die Pflanzen mittlerweile ganz gut angewachsen, wobei ich eine kleine Panne mit meinem Sphagnum-Moos hatte: Ich habe alles, was ich sonst irgendwo in Töpfen oder Pflanzschalen
gefunden habe, auf die Oberfläche des Beetes gelegt und angedrückt. Leider habe ich dies morgens getan und das Moos auch nicht mehr bewässert. Die daraufscheinende Mittagssonne
hat es dann wohl in die ewigen Jagdgründe befördert. Nun habe ich totes Moos an den meisten Stellen aufliegen, das aber teilweise kleine neue Triebe bildet. Deswegen lasse ich es einfach so
(auch wenn es komisch aussieht) und warte ab. Es wird schon werden. Nun aber einige Fotos von den Pflanzen:
Herbst 2003:
Das eingepflanzte Wollgras wuchert wie verrückt. Es ist dennoch keine Plage, es lässt sich nämlich sehr leicht mitsamt den Wurzeln herausziehen, ohne die Erde und das Moos drumherum zu
verschieben. Gut wachsen auch der Rippenfarn und die Sumpfiris (fast einen Meter hoch, kaum in die Breite wachsend). Die Karnivoren machen sich ebenfalls gut: Drosera binata bildet
große Büsche und massenhaft Blüten. Drosera intermedia x filiformis ebenfalls. Drosera rotundifolia verbreitet sich selbstständig über den vorderen Teil des Beetes. Die Venusfliegenfallen wachsen
ebenfalls prächtig, auch wenn sie nicht ganz so schön ausgefärbt sind (kein Wunder bei nur 3 Stunden Sonne täglich...). Die beiden Heliamphoren scheinen sich im Sphagnum sehr wohlzufühlen, wogegen
die beiden Darlingtonias teils braun geworden sind, vermutlich aufgrund der dreiwöchigen Hitzeperiode bei uns. Noch leben sie aber, ich habe sie ausgetopft und schattig/kühl gestellt.
Insgesamt wirkt das Beet nun viel natürlicher, es gefällt mir immer besser, je weiter es zuwächst!
Frühjahr 2004:
Den milden Winter haben alle Pflanzen überlebt. Die Darlingtonias hatte ich vorsichtshalber wieder in Töpfe gepflanzt, da sie diesen
Sommer sowieso nicht mehr ins Beet sollen (falls es wieder so heiß wird wie letztes Jahr), ansonsten ist alles im Beet geblieben. Am schlechtesten
geht es momentan noch Drosera binata, es scheinen trotz der enorm großen Pflanze mit sehr langen Wurzeln nur wenige kleine Pflänzchen auszutreiben.
Ganz gut entwickelt haben sich dagegen Drosera rotundifolia, Drosera filiformis x intermedia und - natürlich - das Wollgras. Ich habe
zum März hin sämtliche Schläuche der Sarracenien abschneiden müssen, da sich kleine schwarze Raupen dort eingerichtet hatten und
mir sämtliches angeknabbert haben. Bemerkt habe ich es, als ich mal nach sich entwickelnden Blüten sehen wollte, die Sarracenien drinnen waren
nämlich schon lange am Blühen. Ich fand dann abgeknabberte Blütentriebe und Schläuche, woraufhin ich erstmal einen Radikalschlag
unternommen habe. Nun bilden sich die ersten (heilen) Schläuche, und Sarracenia venosa x rubra x leucophylla bildet sogar noch
nachträglich eine Blüte aus.
Mitte April hat dann die Sumpfdotterblume alles andere in den Schatten gestellt und bis zu 10 wunderschöne gelbe Blüten auf einmal
hervorgebracht. Nun muss ich dann so langsam wieder das Netz über's Beet hängen, sonst graben die Vögel darin herum.
Frühjahr 2005:
Im Frühjahr 2005 habe ich einige Pflanzen neu eingesetzt: zum einen habe ich vom Regionaltreffen in Würzburg
eine Moosbeere mitgebracht. Diese Pflanze wollte ich schon immer im Moorbeet haben, seit ich sie bei
Erich Maier gesehen hatte (siehe Fotos im Bericht unter "Dies und Das"). Sie wuchs dort zusammen mit Dionaea
muscipula, was wunderschön aussah. Ich habe die kleinen Triebe direkt neben die gut wachsenden Dionaeas gesetzt
und hoffe nun, dass sie sich wohlfühlen.
Die Venusfliegenfallen wachsen nun schon seit dem Bau des Beetes an der gleichen Stelle. Ausge den zwei Pflanzen
sind mittlerweile ca. 6 geworden. Nicht so gut ging es dafür Sarracenia purpurea ssp. venosa. Die Pflanze stand
in einem sehr sumpfigen Bereich im hinteren Teil des Beetes, wo es wohl zu schattig war. Ich habe netterweise
dieses Frühjahr eine sehr schöne Pflanze von Magdalena Schaaf erhalten, die nun links vorne etwas trockener und
sehr sonnig steht.
Die sehr winterharte Hybride, die ich anfangs eingesetzt hatte (Sarracenia venosa x leucophylla x rubra)
treibt momentan sehr schön aus und blüht tiefrot. Auch die anderen beiden etwas schlankeren Hybriden haben
den Winter überstanden und treiben trotz des recht schattigen Standortes gut aus.
Wie sich mittlerweile herausgestellt hat ist das Sphagnummoos, welches ich von meiner Alpentour aus den italienischen
Alpen mitgebracht habe eine ganz andere Art als das bei uns heimische. Es ist viel kleiner, zierlicher und färbt sich
außerdem bei genügend Sonne schön rot. Das "normale", etwas grobere Sphagnum daneben bleibt auch bei viel Sonne grün.
Mir soll's recht sein, ich finde das rote Moos auch sehr hübsch. Immerhin bietet es einen schönen Kontrast im sonst
grün bewachsenen Beet.
Bei den Fotos unten ist eine schöne lilafarbene Blüte dabei - die Iris (?), die das Beet immer beschattet. Sie blüht so
schön dass ich mich jedesmal im Frühjahr doch dagegen entschließe, sie einfach herauszureißen. Schlecht für
die durch sie beschatteten Sarracenien...
Frühjahr 2006:
Die Moosbeere hat sich gut ausgebreitet. Leider trägt sie noch keine Beeren, ich hoffe dass sie das im nächsten Jahr tun wird.
Zwei neue Pinguicula-Arten habe ich eingesetzt, leider weiß ich den Artnamen nicht. Ansonsten wächst das Sphagnum mal wieder viel zu schnell und
überwuchert zusehends Drosera rotundifolia. Ich muss sie immer wieder freilegen, damit sie am Leben bleiben.
Fortsetzung folgt...
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