Generell heißt es ja, dass man fleischfressende Pflanzen auf gar keinen Fall düngen darf. Sie gehen ein, und das stimmt auch. Zumindest was den gebräuchlichen Blumendünger angeht sind sie
extrem empfindlich und reagieren schon auf kleinste Mengen mit Fäulnis und Absterben (mit wenigen Ausnahmen). Da aber Carnivoren meistens in Torf oder ähnlichem nährstoffarmen
Substrat gepflanzt werden müssen, besteht ein gewisses Versorgungsproblem mit wichtigen Substanzen, in erster Linie Stickstoff.
Von wem genau diese Idee stammt, weiß ich nicht. Ich habe es auf anderen Internetseiten vor einiger Zeit gelesen und daraufhin selbst einige Versuche gemacht. Seitdem dünge ich meine Pflanzen regelmäßig mit Milch.
Die Idee ist so einfach wie genial: Milch enthält Eiweiße, Eiweiße sind Proteine, welche bekanntermaßen Stickstoffverbindungen sind. Die Pflanze nimmt den Stickstoff über die Tentakeln auf und wird so gedüngt.
Am einfachsten ist diese Methode bei Sonnentauen durchzuführen. Hier wird einfach mit einem Pinsel oder (wem das zu mühsam ist, zum Beispiel mir) mit einer Pipette eine Milch-Wasser-Mischung (etwa 1:5) auf die
Blätter aufgetragen. Der Sonnentau verdaut die Milch problemlos - nach einiger Zeit verschwindet die weiße Farbe des Eiweißes. Das einzige Problem bei der ganzen Sache: der Schimmel. Wird die Milch nicht ganz verdaut und trocknet
auf dem Blatt ein, verschimmelt dieses innerhalb kürzester Zeit. Das passiert häufig, wenn man unverdünnte Milch nimmt, oder zu große Mengen aufträgt (was bei mir meistens aus Faulheit der Fall ist, auf ein
Blatt mehr oder weniger kommt es nun auch wieder nicht an ;) ).
Drosera capensis mit (viiiel) Milch
Nahaufnahme der einrollenden Tentakeln
Fast fertig verdaute Milch
Etwas problematischer ist die Fütterung bei Dionaeas. Da diese gewöhnlich nur lebendige Beute verdauen, besteht bei der Milch die Gefahr, dass die Falle einfach wieder aufgeht, ohne die Nahrung zu verdauen.
In den meisten Fällen schließt sie die Falle aber komplett. Ich denke das liegt daran, dass die Zellen an der Innenwand (oder irgendetwas anderes in der Falle) die Milch auf chemischem Wege als
Nahrung identifiziert. Wie das genau funktioniert, weiß ich natürlich nicht. Bin ja kein Biologe... vielleicht weiß es ja von euch jemand. Oder es gibt einen Taublatt-Artikel drüber...ich werde mal nachforschen.
Die bessere Methode bei den Dinoaeas ist allerdings die Düngung über das Substrat, da die mit Milch gefüllten Fallen in der Regel
absterben (Schimmel), nachdem sie die Milch verdaut haben.
Bei Sarracenien und anderen Krug-Schlauch-Kannenpflanzen ist Milch eigentlich nicht zu empfehlen, da diese unter Sauerstoffausschluß dann doch sehr schnell schimmelt und die Falle damit abstirbt. Da die Pflanzen die Nährstoffe aber auch
über die Erde aufnehmen können, kann man einfach etwas Milchlösung aufs Substrat tropfen. Das bringt auch etwas. Bei Nepenthes sollte man jedoch sparsam düngen, da die
Pflanzen sich sonst eventuell die Kannen einsparen, weil sie ja ohnehin genügend Nährstoffe haben. Und das ist ja nicht so ganz im Sinne des Halters.
Drosera venusta
Verdauendes Blatt in Nahaufnahme
Im Gegensatz zu einigen Leuten bin ich ja der Ansicht, meine Byblis liniflora würden
nicht so gut wachsen und blühen, wenn ich sie nicht füttere. Tatsächlich bilden die Blüten mehr Samen aus,
wenn ich Milch füttere. Dies ist besonders im Winter der Fall. Auch werden die Eiweiße anscheinend verdaut, da nach
einiger Zeit die weiße Färbung verschwindet und nur noch ein wäßriger Tropfen am Blatt hängt. Trotzdem ist nach
wie vor nicht geklärt, ob Byblis jetzt carnivore Pflanzen sind, oder ob es sich bei der Pflanze verhält wie bei
Roridula. Meine Meinung: carnivor - nur wirklich beweisen kann ich es leider nicht.